"Ringsdichrüm" Seßlach
Seßlach, das Rothenburg Oberfrankens, kann mit einer über 1200-jährigen Geschichte aufweisen. Kunst, Kultur und Geselligkeit werden in dieser kleinen Stadt ganz groß geschrieben. Seine erste urkundliche Erwähnung findet Seßlach als "Duo Sezelaha" im Jahr 800. Gaugraf Assis, ein Enkel Karls des Großen vermacht seine Güter, u.a. Seßlach und Heldburg dem Kloster Fulda.

Schloß Geyersberg ist das älteste Gebäude in Seßlach. Es stammt aus der Frühgotik des 13. Jahrhunderts. Das Schloß wurde von den Herrschafte "zu Lichtenstein" bewohnt. Heute befindet sich dort ein Restaurant und eine Galerie in der Bilder verstorbener Seßlacher Ritter und deren Angehörigen ausgestellt wird.

Seßlach schütze sich einst vor Eindringlingen nicht nur mit einer Stadtmauer (hier "Untere Mauer", auch "Zwinger" genannt), sondern befand sich unterhalb davon ein Sumpf dessen Morast als kaum durchdringbar diente. Die Rodach speiste diesen Graben. Heute befinden sich an diesen Stellen grüne Wiesen und fruchtbare Gärten.

Durch das Geiersberger Tor tritt man in die Altstadt ein. Sonntags ist der Durchgangsverkehr in der Innenstadt gesperrt.

Das Tor ist eines von drei gothischen Toren, und öffnet die Stadt südöstlich.




Die Stadtpfarrkirche wurde in den Jahrhunderten immer wieder erweitert und das Erbauungsdatum ist nicht nachvollziehbar. Bauelemente aus fast allen Zeitepochen sind in dieser Kirche zu finden. Urkundlich erwähnt wird Seßlach als Würzburgische Urpfarrei bereits in den Jahren 799-800 (n.Chr.).


Das Seßlacher Rathaus besitzt ein sehr schönes Fachwerk, das erst 1930 freigelegt wurde. Es wurde 1630 erbaut und seit 1796 sitzt ein steinerner Löwe auf der Freitreppe. Auf dem Dach des Rathauses sitzt das "Irrglöckchen", das auch heute noch jeden Abend kurz vor sieben Uhr geläutet wird. Edelfräulein Esbeth von Lichtenstein, soll ich damals in den dichten Wäldern rund um Seßlach verirrt haben, und den Heimweg nicht mehr finden. In ihrer Furcht sprach sie ein Gebet, und siehe da. Aus der Ferne ertönte die Glocke und so fand sie zurück. Zum Dank stiftete sie das Irrglöckchen und versprach allabendlich bei Einbruch der Dämmerung das Glöckchen läuten zu lassen.


Das Pflasterzollhaus diente im 17./18. Jahrhundert zum Entrichten des Pflasterzolls. Bis in das späte Mittelalter waren gepflasterte Wege wenig verbreitet und daher sehr teuer. Für die Benutzung mußte ebenso gezahlt werden, wie z.B. ein Brückenzoll bei deren Überquerung. Der bekannte Thüringer Gottfried Herder besuchte 1778 Seßlach und hinterließ ein Schreiben, das es für ihn die schönste Stadt wegen der Straßenbeflasterung sei.

Das Hohe Haus (Fachwerk) wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Der Bischof von Würzburg stellte diesem Haus einen Freibrief aus, der die Bewohner von der Zentabgabe bfreite und zum Freihof machte. Verbrecher durften drei Tage Unterkunft und Schutz darin genießen.

Ein Brandunglück zerstörte 1905 13 Wohnhäuser, 12 gefüllte Scheunen und 24 Nebengebäude. Der frühere Gasthof "zur Goldenen Krone" (Bildmitte, gelbes Haus) wurde fast gänzlich zerstört, er diente früher nicht nur als Gasthof, sondern auch als Pferdewechselstelle für Post- und Reisekutschen.


Auch das Salb-Haus ist erst 1906 nach der verherenden Feuerkatastrophe entstanden. Für den Neubau wurde im Historismusstil gebaut.

Blick auf das Rothenbergertor, welches bis 1879 als Gefängnis diente.


Die heutige Gastwirtschaft "Roter Ochse" (vorne links) wurde 1764 als Spital erbaut, 1893 erweitert und als Distriktkrankenhaus erhoben. Das Amts- und Gerichtshaus, mit den Zinnengiebeln, wurde 1620 errichtet. Zeitweilig lebte hier der Dichter Friedich Rückert (1807-1809)

Friedrich Rückert schrieb einst "Mit vierzig Jahren ist der Berg erstiegen, wir stehen still und schaun zurück. Dort sehen wir der Kindheit stilles liegen und dort der Jugend lautes Glück. Noch einmal schlau, und dann gekräftigt weiter, erhebe deinen Wanderstab! Hindehnt ein Bergesrücken sich, ein breiter. Und hier nicht, drüben gehts hinab. Nicht atmend aufwärts brauchst du mehr zu steigen, die Ebene zieht von selbst dich fort. Dann wird sie sich mit dir unmerklich neigen, und eh du´s denkst, bist du im Pott."
Anm. der Red.: Zum Glück hat sich in dieser Hinsicht etwas geändert. ;-)




Bei knapp 15 Grad minus war an diesem Sonntag kaum jemand unterwegs. So hatten wir das schöne Städtchen Seßlach fast für uns allein. Aber das Städtchen hat mehr noch zu bieten, als die gezeigten Eindrücke und ein Besuch lohnt sich immer und jederzeit.

Auf Wiedersehn in Seßlach!