"Ringsdichrüm" - Die Altenburg in Bamberg
Die mittelalterliche Altenburg in Bamberg wurde 1109 erstmalig in einer Urkunde erwähnt. Bischof Otto von Bamberg übereignete die Burganlage dem Kollegiatstift St. Jakob. Von 1305 bis 1553 war die Burg die zweite Residenz der Bamberger Fürstbischöfe. 1801 wurde die Burg vom Hochstift Bamberg, bis auf die Befestigungsanlagen, an Adalbert Friedrich Marcus verkauft. Dieser Bamberger Arzt richtete das noch stehende Torhaus als Wohnung ein.

Das Torhaus (1450). Ein dreistöckiger Verteidigungsturm. Über dem Tor efanden sich Rollen für die Zugbrücke und neben dem Tor das Fußgängerpförtchen. Im Obergschoss befand sich das Torwächterquartier und später diente die Wohnung von 1801-1816 Dr. Marcus.


Eine Burgkapelle wurde 1124 durch Bischof Otto I. zu Ehren der Heiligen Walburga, Philippus und Jacobus eingeweiht. Der Standort dieser Kapelle ist unbekannt. Nachfolgekapellen wurden bei der Brandschatzung durch Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenberg-Kulmbach 1553 zerstört. Seit 1617 sind Gottesdienste auf dem Plateau der Burg urkundlich nachgewiesen. Hierzu wurde zu alljährlich eine leinene Kapelle aufgebaut.
Die heutige Kapelle mit dem Eingang im Torhaus entstand 1834. Der Architekt für die Gesamtanlage war Bernhard Solger, ein Schüler von Karl Alexander Heideloff und Friedrich von Gärtner, später einflussreicher Stadtbaurat in Nürnberg.

Mit 386 Höhenmetern, auf einem letzten Ausläufer des Steigerwaldes, markiert die Altenburg den höchsten Punkt des Stadtgebietes, dem Höchsten der berühmten sieben Hügel.

Der beste Blick eigent sich vom Rundturm aus. Der Südwestturm ist der Eckturm der Burg, erbaut um 1450. Er trägt das Wappen des Fürstbischofs Georg von Schaumberg und die Mauern an der Straßenseite sind 2,80 m dick. Die Aussichtplattform stammt aus dem Jahre 1868.


Das Palas steht noch auf den teilweise erhaltenen Kellern des ursprünglichen Wohnhauses. Es wurde mit finanzieller Unterstützung des Schuh-Fabrikanten Heinrich Manz um 1900 erbaut. Als Architekt trat hier Gustav Häberle in Erscheinung, der auch die Pläne für die Herz-Jesu-Kirche entwarf.



Die Brunnenanlage befand sich in einem quadratischen Brunnenhaus, das um 1880 abgebrochen wurde, darauf wurde das bestehende Brunnenhäuschen errichtet. Der Schacht ist ca. 30 Meter tief.


Der Bergfried misst 33 Meter und ist ältester Teil der Burg, die Wände sind 4m dick. Zugang fand man ursprünglich über Leitern und im Untergeschoss befand sich einst ein Gefängnis.
Der rätselhafte Eisenkorb (Feuerkorb) soll angeblich als Signalgeber mit der Giechburg bei Schesslitz gedient haben. Man vermutet allerdings daß der Korb erst viel später angebracht wurde, und für bengalische Beleuchtungen benutzt wurde.



Ein Erdrutsch zerstörte im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts Teile der Ostmauer. Diese Mauern wurden erst wieder im beginnenden 21. Jahrhundert in Sichtbeton neu errichtet. Nachdem im beginnenden 20. Jahrhundert auch ein weiterer Teil der Ostmauer einsturzgefährdet war, brach man diese ab und baute sie zurückversetzt wieder auf. Die ursprüngliche rechteckige Anlage ist nicht mehr vorhanden.

Gut erhalten ist ein Teil der Burgmauer mit Wehrgang.

Allein schon der Aussicht wegen lohnt es sich die Altenburg zu besuchen.

E. T. A. Hoffmann, der mit Marcus befreundet war, fühlte sich von der Burg so angezogen, dass er zeitweilig in einem der Mauertürme Erholung suchte. Nach dem Tod von Marcus kam auch dieser Besitz in die Konkursmasse. Postmeister Anton von Grafenstein auf Krummennaab initiierte im Jahr 1818 die Gründung des Vereins zur Erhaltung der Altenburg, des ersten Denkmalschutzvereins in Bayern.

Die Klause, ein Wehrturm mit 4 Geschossen um 1450 (Obergschoss von 1811), benannt nach E.T.A. Hoffmann, welcher von 1808 bis 1813 in Bamberg lebte. Er zählt zu den Literaten Bambergs. Dieser bewohnte die Klause öfters und versah die Innenwände mit Karikaturen Bamberger Personen. Die Ausmalungen sind jedoch verschwunden.

Hat Hoffmann hier die Ideen für seine populären Gruselgeschichten genommen? Eine ungewöhnliche Wohnung ist es allemal.




1900 wurde für den 1. Altenburgbären ein Zwinger eingebaut. Von 1952 bis 1982 "herrschte" hier Poldi, der letzte Burgbär. Seine Patenschaft übernahm Luitpold Weegmann, damaliger Oberbürgermeister von Bamberg, dessen Name der Bär auch schließlich erhielt. Im Zwinger findet man heute allerdings nur ausgestopfte Bären.



Das erwartet man dann ja doch nicht... fortschrittliche Antike: Das öffentliche Telefonieren ohne Münzen. ;-)


Die Kreuzigungsgruppe von 1755 wurde für den seit Generationen - seit 1610 urkundlich nachweisbar - auf der Altenburg jährlich stattfindenden Gottesdienst durch Georg Adam Reuß geschaffen. Der Kopf des Bozettos von Johannes befindet sich im Landesmuseum Mainz. Zu Christi-Himmelfahrt findet seit den 90ern ein evanglischer Gottesdienst an der Kreuzigungsgruppe statt, im September feiert man dort einen Gottesdienst für die verstorbenen Mitglieder des Altenburg-Vereins.

See you again, Bamberg!
Fotos: S. Petschner