Kilian Schauer - ein Schwürbitzer "Reformator"
Quelle: Günter Dippold
„Barmhertzigkeit über die Maß
An armen Leuthen übt,
Dergleich nit balt gehöret waß.
Kein Menschen er betrübt
Noch zwang zu frembter Lehr,
Ließ jedem sein Gewissen
Im Glauben unzerrissen,
Der gottseelige Herr.“
von Kilian Schauer
Notar Kilian Schauer, der als überzeugter Anhänger der neuen Lehre zu Beginn des 17. Jahrhunderts den Widerstand gegen die landesherrliche Religionspolitik organisierte. Er war dieses Widerstands, ein Schwürbitzer: Kilian Schauer. Als Sohn des evangelischen Pfarrers von Niederfüllbach geboren, war er durch die zweite Ehe seiner Mutter als Kind nach Schwürbitz gekommen; sein Stiefvater Paul Edlinger, ein betuchter Mann, stammte wohl ebenso wie sein Vater aus Österreich. Schauer besuchte die Universitäten Leipzig, Jena und Königsberg, wobei er sich nach dem philosophischen Grundstudium der Rechtswissenschaft zuwandte.
Als Jurist wußte er, was gegen die Vertreibung der evangelischen Pfarrer helfen konnte: eine
Klage vor dem Reichskammergericht in Speyer. Dorthin reiste er im Oktober 1609, um einen
Anwalt zu dingen, der namens beider Pfarrgemeinden Klage gegen den Würzburger und den
Bamberger Bischof erhob. Zweieinhalb Monate blieb Schauer in Speyer, um den Anwalt zu
unterstützen, und pflegte dabei stets Briefkontakt in die Heimat, hielt die Leute auf dem
Laufenden, ermutigte sie, gab ihnen Verhaltensmaßregeln: daß sie bei den benachbarten
Fürstenhöfen und Adelssitzen vorsprechen sollten, damit die mächtigen Glaubensgenossen
sich für sie verwandten, daß sie eine Urkunde, die der Gegenseite hätte nutzen können,
beiseite schaffen sollten. Und immer wieder beschwor er die Untertanen, sich nicht
einschüchtern zu lassen: „Verharret nur mit unerschrockhenem Hertzen unnd standhafften
Gemüethern, es donner, plitz unnd hagel der Teufel, wie er wolle. Wann er gleich tausent, ja
10000 eisserne Schlegel unnd Hellenparten mit unnderwurfe, sollen doch dieselben denen, die
Gott lieben und vertrauen, keinen Schaden zufüegen, sondern müssen hinder unnd vor unns
niderfallen, zerschmultzen und zu wasser werden unnd versinckhen in das Erd-Reich hinein“.
Zwar schuf der Bamberger Bischof im November 1609 vollendete Tatsachen, indem er die
evangelischen Pfarrer vertrieb und katholische einsetzte; etliche Marktzeulner und
Marktgraitzer wurden katholisch und noch mehr sagten die Annahme des katholischen
Glaubens zu, um nicht fortziehen zu müssen. Doch Erfolge konnten auch die Gemeinden
verzeichnen. Aufgrund ihrer Klage wurden im Dezember 1609 die Bischöfe vor das
Reichskammergericht geladen. Obendrein erließ das Gericht ein Mandat an den Bamberger
Bischof, er solle die Kläger – die Einwohner der beiden Pfarrsprengel – bis zu einer
Entscheidung über die anstehende Klage in ihren Häusern unbehelligt wohnen zu lassen.
Nichtsdestoweniger verfolgte der Bischof weiterhin die Untertanen, die sich im Widerstand
gegen seine Maßnahmen hervortaten. Doch die günstigen Ergebnisse, die Schauer und die
Anwälte am Reichskammergericht erzielten, stärkten die Siegessicherheit der Gemeinden:
Wenn das Gericht ihre Klage annahm und dem Bischof verbot, gegen sie vorzugehen, dann
mußte ihre Sache doch gerecht sein. Daß der Widerstand gegen die Gegenreformation in der
Pfarrei Marktgraitz und Marktzeuln lange anhielt, in Marktzeuln gar bis 1624, war gewiß
solchen Anfangserfolgen zu verdanken.
Man wußte in Bamberg sehr wohl, wer für die Querschüsse aus Speyer verantwortlich war,
und so versuchte die fürstbischöfliche Regierung, Schauers habhaft zu werden. Am 5. März
1610 fielen bei Nacht 400 bewaffnete Männer aus Stadt und Amt Lichtenfels, angeführt vom
Kastner und dem Stadtvogt, in Paul Edlingers Wohnhaus ein, obgleich den adligen
Lehensherren die niedere Gerichtsbarkeit darüber zustand. Türen und Fenster wurden
kurzerhand eingeschlagen, Edlinger mit einem Gewehr bedroht, doch Schauer war gewarnt
worden und hatte das Haus rechtzeitig verlassen. Auch ein zweiter, ähnlich angelegter
Versuch, ihn zu fassen, am 8. November 1611 scheiterte.
Mehrmals reiste Schauer nach Speyer, versuchte, den Prozeß in Gang zu halten, den die
bischöflichen Vertreter mit verfahrensrechtlichen Fußangeln blockierten, besuchte den
kurpfälzischen Hof zu Heidelberg, um den Kurfürsten und die Union, das Bündnis der
evangelischen Fürsten im Reich, zum Einschreiten gegen Bamberg zu bewegen. Schauer
wurde zum Staatsfeind im Hochstift. Da erschien Schwürbitz als Wohnort zu unsicher, so daß
er 1613 nach Weidhausen zog, wo der Herzog von Sachsen-Coburg als Landesherr einen
bambergischen Zugriff hätte verhindern können. Schauer starb um die
Jahreswende 1613/14.
Schauer und alle anderen, die Widerstand gegen die Gegenreformation leisteten, konnten den
Gang der Dinge nur bremsen, nicht verhindern.