Die "Stern-Bräu"

Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das 1692 erbaut wurde, kann auf eine gschichtliche Entwicklung zurückweisen. Nach den Archivunterlagen der Gemeinde Michelau, und die nach dem des Heimatforschers H. Schrepfer entstand das Gasthaus in der Blütezeit der Flößerzeit. Einige Schritte vom Steg entfernt, ein wenig fluß- und hangaufwärts, ließ Metzgermeister Adam Fischer einen gewichtigen Neubau erstellen.

Über einer weitverzweigten Kelleranlage, die im Eingangsbogen groß die Zahl 1692 trägt, hatte er ein massives Schlachthuas und darüber, zur Rechten und Linken eines Hausflurs mit separatem Treppenaufgang, mehrere Einzelzimmer errichten lassen: Fremdenzimmer, Flößerabsteigquartiere. Quer zu diesem schmalen Langbau aber hatte er eine geräumige Wirtsstube mit den dazugehörigen Wirtschaftsräumen und darüber eine Wohnstube mit den Privaträumen gestellt. Ein gedrungener Bau wr es, der da breit und groß an der Keuzung zweier wichtiger Wege entstanden war. Nicht von ungefähr, sondern überlegt hatte Johann Adam Fischer dieses Unternehmen gestartet. Er war ein Mann, der die Zeichen der Zeit zu deuten und zu nutzen verstand. Denn mit der Wende des Jahrhunderts bahnte sich plötzlich auch eine Wende im Leben der Ortschaft an. Die Flößerei war eben dabei, scih voller Blüte zu entwickeln. Nie zuvor wurde mehr Bauholz benötigt, als in jenen Jahren. Der große Krieg mit seinen Folgen war überwunden die lebens- und baufreudige Barockzeit war da. Die BAumriesen des Frankenwaldes und Fichtelgebirges stiegen hoch im Kurs, die Wasserwege wurden wichtiger denn je. Schwürbitz lag da äußerst günstig. Kurz nach dem Zusammenfluß von Main und Rodach bot es den aus zwei Richtungen kommenden Flößern nach langer harter Fahrt die erste große Zwischenstation. Die "Mannlehenbarwise" das Gelände der ehem. Gärtnerei Rauch zur Rechten der Waage, war idealer Floßanlageplatz geworden. Hier ging es zu auf einen Güterbahnhof. Hier war Zeit und Gelegenheit für die Flößer, das auch damals schon sinnige Wort zu verwirklichen: Mach mal Pause. Daß es in Schwürbitz gute Pause-Brotzeit gab, wie sie ein Flößer nach getaner Arbeit sich wünschte, hatte sich längst herumgesprochen. Im gegenüberliegenden Gasthaus "Zur Dorflinde", in dem laut handschriftlicher Aufzeichnung des Besitzers "Flößer aus Steinwiesen, Zeyern, Wallenfels, Frießen, Oberrodach, Kronach, Küps und Unterlangenstadt" regelmäßig Einkehr hielten, wurde gute Küche geboten. Denn der Wirt war Bauer, Brauer und Metzger zugleich - allerdings nur für Schweineschlachtungen eingerichtet. Da konnte Johann Adam Fischer zweifellos versuchen, noch andere kräftige Kost zu servieren. Er wußte genau, was den Flößern Mark in die Knochen bringt. Mastochsenfleisch bot er ihnen als Spezialität. Das war die Masche! AbBer nicht nur im eigenen Haus, auch auswärts empfahl er sein Mastochsenfleisch und freudige Abnehmer. Sein Unternehmen florierte derart, daß es einem Sohn des Hauses, Hans Fischer, geradezu unerlässlich erschein, eine weitere Gaststätte in unmittelbarer Nähe zu errichten. Für Johann Adam Fischers Nachfolger Adam reichte indes das alte schmale Schlachthaus nicht mehr aus. Er baute ein neues größeres an, nach Süden, zum Main hin. 1791 war das. Der Lindenwirtnachfolger gegenüber war um diese Zeit nicht mehr der Jüngste, war Witwer und kinderlos. Sein Stern begann zu sinken. Der Stern der neuen Gastwirtschaft und Metzgerei aber war im Steigen, dank des alten Vaters Main, der mit den Flößern, die hier Station machten, das Geld "herbrachte". Bis vor einigen Jahrzehnten war noch an der ehemaligen Gastwirtschaft, die nach 280jährigen Bestehen im Jahre 1974 ihre Pforten schloß, ein schöner schmiedeeiserner Stern angebracht. Leider ist er nicht mehr auffindbar. 1984 fand ein Teilabbruchstatt, nach die Verkehrssituation Trieber Weg / Michelauer Str. diese Maßnahme dringend erforderlich machte.
