Auf Spurensuche nach der Vergangenheit

„Auf Spurensuche der Schwürbitzer Vergangenheit“ lautete am Donnerstag im Pfarrzentrum eine Veranstaltung der Vereinsgemeinschaft „Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main“, wo eine Diskussionsrunde mit Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold abgehalten wurde.
Eingangs referiert Carlo Scheidt zum Thema „Wie war es vor mehr als 1000 Jahren“.
Erster Vorsitzender Herbert Fleischmann zeigte sich erfreut, zumal die Schwürbitzer Ortsgeschichte noch näher beleuchtet werde, denn das Jahr 2005 brachte in der Schwürbitzer Ortgeschichte eine unvorhergesehene Veränderung.
Getrieben von dem Wunsch, mehr über die Historie des geleibten Heimatdorfes zu erfahren, hatte die Vereinsgemeinschaft „Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main“ Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold um Recherchen zur Schwürbitzer Geschichte gebeten. Nun, das Ergebnis hatte Dr. Dippold in seinem Jubiläumsvortrag damals vermittelt und die staunenden Zuhörer begeistert, als er urkundlich nachweisen konnte, dass die bisher erschlossene Geschichte nicht nur 825 Jahre umfasst, sondern die Ursprünge nahezu fast 1000 Jahre zurückverfolgt werden können.
So berichtete er damals in seinem ausführlichen Fachvortrag unter anderem „Die ersten Hinweise auf Schwürbitz finden wir in den Nekrologen“, den Todengedenkbüchern des Bamberger Doms, die seit dem 12. Jahrhundert erhalten sind.
Dort ist unter dem 14. Februar, dem Todestag des vierten Bamberger Bischofs Adalbero verzeichnet, dass dieser Oberhirte dem Domkapitel vier Malter Weizen „de Swuorbez“ schenkte.
Schwürbitz bestand also schon im Jahr 1057.
Ein neues Geschichtsbuch von „Schwürbitz am Main“ wurde damals aufgeschlagen.
Der durch die Ortsvereine gegründete Kulturverein „Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die gewonnenen Erkenntnisse zu vertiefen.
Gespannt verfolgten die zahlreichen Zuhörer den packenden Vortrag von Carlo Scheidt zum Thema „Schwürbitz und Umgebung vor mehr als 1000 Jahren.

Scheidt berichtete zunächst von Erkenntnissen 500 vor Christus, wobei in der näheren Umgebung 72 Keltengräber am „Schanzberg“ vorgefunden wurden.
Zwischen „Schanzberg“, der Nonnenbachquelle und dem „Spitzberg“ wurden die ersten Siedlungen gegründet, wo auch Eisenerz (Metallschichten zeugten bei Ausgrabungen davon) abgebaut wurde.
Hier gab es auch alte Straßen, die über Marktzeuln – Rodach – Main – Hochstadt bis Hallstadt führten.
Carlo Scheidt führte dann die Zeit 500 nach Christus aus, wo die Antike und das Römische Reich zu Ende gingen. Eine große Völkerwanderung begann, Vandalen zogen weiter und die Hunnen siedelten sich südlich des Maines an. Die Hunnen hatten auch einen Stützpunkt auf dem Staffelberg.
Nach Literaturhinweisen gab es auch auf dem Staffelberg ein Grab „Attilas“.
Scheidt streifte auch das gewaltige Thüringische Reich (erstreckte sich damals vom Harz der Elbe entlang), das Frankenreich, Sachsen und Westgoten.
Das neue Frankenreich wurde später in Grafschaften aufgeteilt (zum Beispiel Marktgraitz, Banz usw.).
Als dann zwischen dem 600-900. Jahrhundert bei Schwürbitz gerodet wurde, spricht man in der Sage auch von einem „Schloß von Schwürbitz“, welches rechts des Spitzbergs lag, wo heute noch eine Kapelle vorhanden ist. Anhand einer Karte am Bildschirm zeigte Carlo Scheidt ein geschütztes Siedlungsgebiet zwischen Hoher Aßlitz, Kleinen Wildhügel, Kapelle Spitzberg, Lettenreuth „Obere Kapelle“ und dem Schlossberg Graitz auf.
In diesem Bereich sind auch Burgenverbindungsstraßen nachgewiesen.
Scheidt leitete weiter um das Jahr 1000 nach Christus, wo dann Kaiser Heinrich in Erscheinung tritt.
Südlich des Maines erscheinen die Babenberger, wo später Bamberg Residenzstadt wird.
Bamberg wird das „Rom des Nordens“, dort wo Kaiser Heinrich im Jahr 1007 regiert.
Schließlich leitete Carlo Scheidt in die Zeit 1000 nach Christus weiter, wo man dann in die Gründerjahre von Schwürbitz kommt.
Erster Vorsitzender Herbert Fleischmann dankte Carlo Scheidt für die spannende Geschichte in der Zeit vor über 1000 Jahren.
Anschließend setzte sich Prof. Dr. Günther Dippold mit der Schwürbitzer Ortsgeschichte auseinander.
Er erinnerte dabei nochmals an die 825 Jahrfeier von Schwürbitz im Jahr 2005, wo man sich auf die Urkunde von Bischof Otto II. berief, der zu Gunsten Langheims eine Urkunde ausstellte. Der Schwürbitzer Heimatforscher Heinrich Schrepfer sammelte vor dieser Zeit bereits Erkenntnisse.
Dippold habe dann selbst nähere Kenntnisse erlangen können, dass Schwürbitz viel älter sei, nachdem Nekrologen, also Todengedenkbücher, von der Existenz von Schwürbitz aus dem vom 14. Februar 1057 berichten. Bischof Adalbero regierte von 1053 bis zu seinem Tod 1057, und er verfügte – vermutlichtestamentarisch – eine Zuwendung ans Domkapitel, in Gestalt einer Getreidelieferung aus Schwürbitz.
Dr. Dippold kam auf die Anfangsjahre von Langheim zu sprechen, welches vorerst nicht reich war. Ortschaften am Hang Richtung Lichtenfels, wie Schweinsberg, Brechsendorf usw. wurden abgesiedelt und verschwanden.
Im Talkessel wurde immer mehr in Langheim angesiedelt. Langheim bekam immer mehr, so beispielsweise den Gutshof von Trieb.
Ob nun in Schwürbitz im Jahr 1180 tatsächlich eine Mühle stand, hatte Heimatforscher Heinrich Schrepfer nachgewiesen (Mahlmühle in Schwürbitz für Langheim).
Doch wenige Jahre später fasst Langheim in Hochstadt Fuß, wo auf jeden fall eine Mühle nachgewiesen wird.
Beim Blick in die Literatur nannte Dr. Dippold weitere Einblicke in die damalige Zeit.
Nach weiteren geschichtlichen Aspekten merkte Dr. Dippold an, das eine ältere Jahreszahl wie 1057 für Schwürbitz vorerst nicht mehr möglich sei.
Die Geschichtsforschung ist „abgezaust, wie ein Hähnchen“, wo nichts mehr übrig ist (bis auf den letzten Knochen abgezaust, so Prof. Dr. Dippold).
Dr. Dippold nannte auch weitere Namensforschungen von Schwürbitz und Göritze.
Schwürbitz steht als slawischer Name, der jedoch nicht allein vorhanden ist. Namen wie Graitz, Redwitz Göritz usw. sind vorhanden.
Dr. Dippold kam nochmals auf die Zeit von Bischof Adalbero zu sprechen, der den Banzgau erbt.
Er ging nochmals auf einige geschichtliche Aspekte ein, wo er für Schwürbitz drei verschiedene Geschichtsquellen ausmachen konnte.
Doch für Schwürbitz gibt es vorerst keine neuen Geschichtszahlen.
Man wird wohl das Jahr 1057 als Jubiläumszahl für Schwürbitz stehen lassen müssen.
Nach einigen Anfragen und Diskussionspunkten aus der Versammlung dankte Manfred König von der Vereinsgemeinschaft „Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main“ Prof. Dr. Günther Dippold für die spannenden Ausführungen und Erkenntnisse.
Zusammen mit Ersten Vorsitzenden Herbert Fleischmann überreichte Manfred König Carlo Scheidt und Prof. Dr. Günther Dippold jeweils ein Präsent.
Schwürbitz kann wohl nun im Jahr 2032 sein 975-jähriges Jubiläum feiern, falls keine neuen Erkenntnisse erzielt werden.
Text und Fotos: Horst Habermann