Anwesen Herbst - Leonhardsberg

Historisches Foto entdeckt
Älteres „Herbst-Wohnhaus“ fiel einem Panzer zum Opfer
In diesen Tagen erhielt die Vereinsgemeinschaft „Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main“ erneut ein historisches altes Foto. Diesmal zeigt es das alte Wohnhaus der Familie Herbst am Leonhardsberg, welches Hans und Elisabeth Herbst, Schwürbitz, Michelauer Straße 83, dem Kulturverein kurzfristig zum Abfotografieren zur Verfügung stellten.
Wie Hans Herbst meinte, handelt es sich um das Geburtshaus seines im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vaters Franz Herbst. Bis Anfang der 80iger Jahre wohnte dort noch sein Cousin Hubert Herbst (er war der letzte Besitzer) im alten historischen Gebäude.
Leider wurde das Haus dann Opfer einer Militärübungsfahrt, nachdem ein Panzer beim Abbiegen in den Leonhardsberg mit der Kanone buchstäblich im Schlafzimmer landete und somit das Gebäude zum Einsturz gefährdet wurde. Gott sei Dank wurden damals keine Personen verletzt. Hubert Herbst siedelte in die Ringstraße um, bevor dann das alte historische Gebäude abgerissen wurde und zur Straßenverbreiterung am Kreuzungsbereich Leonhardsberg/Rathausstraße diente. Ähnliche ältere Fotos von Wohnhäusern gib es noch aus den 20/30iger Jahren in Schwürbitz und dürften noch in so manchen Haushalten „schlummern“, so Horst Habermann vom Kulturverein. Die Vereinsgemeinschaft „Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main“ ist auch weiterhin an derartigen alten Fotos (Gebäuden, Personen, Festen, Umzügen usw.) für das Archiv bzw. der Schwürbitzer Ortschronik zur kurzfristigen Überlassung (gegen Rückgabe) interessiert.
hh
Foto: v.l.n.r. unbekannt, Hans Herbst, Erich Thiem (Abba-Erich), Max Schardt, Hubert Herbst, Margarete Hofmann (Hebamms Gretel).
erschienen im Obermain-Tagblatt am 27.01.1981
Schwerer Manöverunfall in der Ortschaft Schwürbitz
US-Panzer landete im Schlafzimmer
Am Leonhardsberg die Hauswand des Anwesens Nr. 2 durchbrochen / Immensen Schaden angerichtet
Schwürbitz. Gestern Mittag kurz nach Zwölf passierte es: Als eine Kolonne mit Manöverfahrzeugen der US-Army aus Marktzeuln kommend den steilen Leonhardsberg in Schwürbitz hinunterrollte, rammte einer der Panzer das rechter hand liegende Wohnhaus, durchbohrte die Wand und verwandelte das Schlafzimmer der Familie Hubert Herbst innerhalb von Sekunden in einen Trümmerhaufen. Am Haus entstand hoher Sachschaden, ein ganzes Ausmaß im Augenblick noch nicht abzusehen ist. Verletzt wurde zum Glück niemand, da die Wohnung zum Zeitpunkt des Unglücks leer war. Hubert Herbst, der gerade von der Arbeit kam, wurde unmittelbarer Zeuge des Vorfalls. Er musste zusehen, wie der Panzer gegen die Hauswand stieß und mit Brachialgewalt das Mauerwerk auseinandersprengte. „Das Rohr des Panzers kam im dahinter liegenden Schlafzimmer zum Vorschein!“ berichtet er. Durch die Wucht des Aufpralls war das Fensterbrett aus schwerem Marmorstein auf die Ehebetten – hätte hier einer gelegen er hätte das Todesgeschoss direkt auf den Kopf bekommen -, die Fenster krachten samt Rahmen aus der Halterung und kippten ins Zimmer, von Glasscherben übersät war der Teppichboden. Neben dem großen klaffenden Loch in der Mauer des Hauses sind vor allem die vielen Risse gefährlich, die nicht nur im Schlafzimmer, sondern auch in den beiden angrenzenden Räumen die Außenwand durchziehen.
Nach dem ergebnislosen Versuch, sich mit dem Fahrzeugführer auseinanderzusetzen – verstand offenbar einer den anderen nicht, sind die Amerikaner einfach weitergefahren und Hubert Herbst benachrichtige daraufhin die Polizei und den Michelauer Bürgermeister Georg Reuther. So konnten die nötigen Schritte eingeleitet werden und es dauerte nicht lange, bis die Lichtenfelser Polizei die Fahrzeugkolonne gestoppt und den „flüchtigen“ Panzer gestellt hatte.
Das Ehepaar Hubert Herbst steckte noch am Nachmittag der Schrecken in allen Gliedern: „die ganze Nacht haben wir die Fahrzeuge schon vorbeirollen hören“, berichteten sie, „bis morgens um Sieben“. Nicht auszudenken, wenn der Unfall in dieser Zeit passiert wäre! Bei dieser Vorstellung läuft ihnen die Gänsehaut den Rücken herunter. Wo sie die nächsten Tage übernachten sollen, wussten sie nicht. Erst für Montag hat sich nämlich jemand vom zuständigen Amt aus Würzburg zur Begutachtung des Schadens angemeldet und bis dahin darf nichts verändert werden, hat man ihnen eingeschärft. „So werden wir uns wohl im Gasthof einmieten müssen“, meinen sie deprimiert; in die eigenen Betten werden sie so schnell nicht wieder können.