Hochwasser-Rekorde 27., 28., 29. Januar 2002

Am 20. Januar war der Main das erste mal über die Ufer getreten, als es zusehends wärmer wurde und die Schneeschmelze eintrat. Das "Hochwasser" hielt sich jedoch die ganze Woche über in Grenzen. Bereits in der Samstagnacht kamen heftige Stürme auf, zwischen Michelau und Schwürbitz knickten Bäume um und brachten den neu errichteten Ballfang am Parkplatz des FC Schwürbitz teilweise zum Einsturz.

Innerhalb kürzester Zeit stieg dann am Sonntagabend der Mainpegel aufgrund des anhaltenden Regen und der einsetzenden Schneeschmelze im Frankenwald und im Fichtelgebirge. Bereits gegen 21.00 Uhr mußte die Ortsverbindungsstrasse nach Michelau und die Michelauer Str. ab Anwesen Wich für den Verkehr gesperrt werden. Hochwasseralarm der Stufe 3 in Schwürbitz. Der Wasserpegel erreichte gegen 23:00 Uhr die 5m-Marke und im Brückenhäuschen steht auch kurz vor Mitternacht das Telefon noch nicht still, viele Anrufer erkundigen sich beim Wasserwirtschaftsamt nach dem aktuellen Stand.

Am Montag wächst sich die Katastrophe aus, - das Hochwasser erreicht entlang der Michelauer Straße die Anwohner. Am frühen Morgen gegen 7:50 Uhr musste man die Ködeltalsperre im Frankenwald öffnen um ein Überlaufen nicht zu risikieren, - und in Schwürbitz bleibt die Lage deshalb stark angespannt. Bereits am Vormittag erreicht der Wasserpegel die 5,55 m. Dies ist knapp unter dem Höchststand des Jahrhundert-Hochwassers vom 24.12.1967.

Die Freiwillige Feuerwehr und Mitarbeiter der Gemeinde Michelau teilen erneut Sandsäcke entlang der Häuserreihe aus. Nun waren einige Gebäude in der Michelauer Straße vom Wasser eingeschlossen, darunter auch das Haus von Gemeinderat Georg Vogel junior. Nur mit einem Boot konnte er seine Wohnung verlassen, um einen offiziellen Termin der Gemeinde wahrzunehmen. Darüber hinaus sind in Michelau in den Häusern der Bahnhofstraße die Keller vollgelaufen. In Kronach meldet man für die Hasslach "ein 25-jähriges Hochwasser", - "leider sei die Landesgartenschau die im April ihre Tore öffnen wollte inzwischen völlig überspült". Umweltminister Schnappauf hat jedoch schon am Vormittag in Kronach Spekulationen zurückgewiesen, der Beginn der Landesgartenschau Ende April sei gefährdet. Es seien zwar Flächen des Geländes überflutet, jedoch bleibe es bei dem Termin. Im Laufe des Tages stabilisiert sich die Lage im ganzen Gebiet zum Glück wieder.

Fernsehen in Schwürbitz
Ü-Wagen in Schwürbitz. Etwas Außergewöhnliches. Regionale Fernsehsender, sowie der Bayerische Rundfunk berichten mehrmals über die angespannte Situation in Schwürbitz. In der Abendschau um 18.00 Uhr erzählt Siegfried Stettner von den Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr Schwürbitz und der Besorgnis wenn es wieder zu regnen beginnt. Auch Georg Vogel jun. erzählt in einem weiteren Beitrag im Oberfranken TV davon, daß es seit 1967 kein solch hohes Hochwasser mehr gegeben hätte. Damals beim Hochwasser an Weihnachten habe man überlegt, ob man überhaupt einen Weihnachtsbaum aufstellen solle, so schlimm habe er dieses Hochwasser in Erinnerung.

In der Rundschau um 21:00 Uhr und in der Nachtausgabe des Bayerischen Rundfunk berichtet BR-Reporter Markus Feulner auch am Abend noch von der Hochwasserlage in Oberfranken. Er erklärt, daß sich hier in Schwürbitz, wo das Wasser der Rodach und des Maines aus dem Frankenwald und Fichtelgebirge zusammenkäme, die Hochwasserwelle aufbaut. Experten rechnen damit daß das Wasser am Mittwoch Würzburg erreichen wird. Dort erwartet man einen Wasserstand mit 5,20 m. Man rechnet an diesem Abend bereits damit, daß sich bis Mittwoch die Lage wieder stabilisieren würde und die Straßen dem Verkehr wieder zur Verfügung stehen würden.

Im Staffelsteiner Stadtteil Unterzettlitz soll an diesem Auto ein Auto von den Fluten mitgerissen worden sein. Nach Zeugenaussagen war ein Pkw trotz Straßensperre von Unterzettlitz aus auf die Kreisstraße Richtung Wiesen
eingefahren. Das Hochwasser des Mains, das dort die Straße etwa 40 bis 50 Zentimeter hoch überflutet hat, riss das Fahrzeug mit. Es wurde etwa 100 bis 150 Meter flussabwärts getrieben. Der Zeuge alarmierte die Rettungskräfte
und kurze Zeit später waren Polizei und Feuerwehr vor Ort. Ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr blieb ebenfalls in den Fluten stecken, die Männer wurden mit Motorbooten gerettet. Eine groß angelegte Suchaktion wurde in die Wege
geleitet, an der rund 100 Helfer von THW, DLRG und Wasserwacht beteiligt waren, sowie ein Polizeihubschrauber. Die Suche wurde ohne Ergebnis abgebrochen und sollte am Mittwoch fortgesetzt werden.
Auch in Schwürbitz ist der Krisenstab am Abend noch immer im Einsatz. Gegen 20:00 Uhr ist der Pegelstand leicht auf 5,40 m gesunken.
Das tut es zum Glück nicht.
Am Dienstag lacht die Sonne wieder über Schwürbitz und der Wasserstand wird niedriger. Am Mittag fällt der Wasserstand auf die 4,50m. Der Abfluss, der in Spitzenzeiten am Dienstag 650 m³ pro Sekunde erreichte, wies am Dienstagabend dann "nur" 350 m³/s auf.