Inventarium / Gemeindeverzeichnis von 1832

 

Johann Hofmann nahm 1832 als Gemeindevorsteher in Schwürbitz die Geschicke in die Hand und überließ folgendes Gemeindeverzeichnis:

" Das Hirtenhaus (bewohnt vom Nachtwächter), ein Feuerleiterhäuschen (zur Aufbewahrung der Feuergerätschaften), ein Schulhaus (zugleich Gemeinde- oder Rathaus), in dessen Nebengebäude „die Feuerlöschmaschien“ untergebracht war, ein „von Steinen umfasster Brunnen“ und ein „von Holz gebauter Steeg über den Main“. Das waren die Gebäudlichkeiten der Gemeinde. Dazu kam an Feldbesitz der Hotzengraben (1 Tagwerk), das Gänsäckerlein, das Hirtengärtchen, das Schulgärtchen, das Zimmerplätzchen („zum Zimmern des Holzes zum Bauen“), das
Schelligplätzchen und Grieswörth und ein Grasplätzchen beim Mainsteg; schließlich der Sauanger, der größte Feldbesitz, der 2 Tagewerk umfasste, auf 100 Gulden beschätzt und zu 10 Teilen verpachtet war.

Was existiert von alldem noch?
Im Grund das Rathaus, der Flurname „Säuanger“ und nicht zuletzt die Feuerschutzbereitschaft der Schwürbitzer, die immerhin schon damals über eine Feuerlöschmaschine verfügten, so primitiv sie auch sein mochte. Dann waren gemäß dem alten „Inventarium“ 6 Feuerleitern, 5 Feuerhaken, ein blechernes Wachhorn, ei Wachspieß, ein eiserner Schlegel und ein eiserner Pickel vorhanden. Erstaunlich aber ist, was damals die Flößerei einbrachte! Denn allein an Außenständen „für Fürholz-Lager-Pachtgeld“ werden über 100 Gulden genannt.

Dazu kamen an einkassierten Lagergeldern für Flöß- und Klafternholz rund 30 Gulden. Da fielen die jährlichen Pachtgelder von den auf Gemeindegrund stehenden Häusern, Brunnen und Gärten sowie die jährlichen Abgaben von verkauften Gemeindeplätzen in Höhe von insgesamt 8 Gulden weit weniger ins Gewicht. Noch weniger das Pachtgeld für die „Gassen der Gemeinde“, das 3 Gulden 24 Kreuzer ausmachte. Genannt sind in diesem Zusammenhang die Steinbruchsgasse, die Leichengasse, die Lettenreuther Gasse, das Bachgäßlein und die Heggasse. Hierbei handelt es sich wohl um das Abgrasen der Ränder und Böschungen; denn das Vieh- und Gänsehüten auf diesen Gassen war ausdrücklich untersagt. Schließlich ist ein Aktiv-Kapitalien noch aufgezählt, „die von Ihro Köngl. Majestät in Gnaden zu theil gewordene silberne Denkmünze zum
Anhängen für den Gemeindevorsteher in Amtsgeschäften“, die mit 2 Gulden 42 Kreuzern veranschlagt wurde.

Fragen wir auch hier: was blieb?
Nun die Flößerei entschwand ebenso wie die Denkmünze Ludwigs I. Lediglich drei Straßen- bzw. Flurnamen leben weiter. Doch werfen wir dem ungeachtet auch einen Blick auf die Ausgaben, die das alte Gemeindeverzeichnis aufführt. Demnach erhielt der damalige Gemeindeschreiber Lehrer Romig (der übrigens auch das Inventarium angelegt hat) ein Jahresgehalt von Gulden, der Gemeindepfleger Metzgermeister Adam Fischer, „ein ständiges Gehalt“ von 3 Gulden. Dem Gemeindevorsteher Johann Hofmann wurden „für verrichtete Gänge in
Angelegenheiten der Gemeinde nach Lichtenfels zum kgl. Landgericht und kgl. Rentamt 4 Gulden, 30 Kreuzer bezahlt. Dem Gemeindediener Michael Amon standen pro Jahr 2 Paar Schuhe im Werte von 4 Gulden zu; doch hatte dieser dafür lieber einen Gemeindeacker in Pacht genommen. Der Landarzt Heckel zu Zeuln quittierte „Sustentationsbeyträge“ in Höhe von 5 Gulden, 24 Kreuzern. Im übrigen zahlte man Reparaturgelder fürs Schul- und Hirtenhaus, gab Geld aus für neue Straßentafeln, für Schreibmaterialien, für Armenmedikamente und viele ähnliche
Dinge. Aber so unbedeutende Kleinigkeiten dies waren – zum Schluss der Bilanz musste der Gemeindeschreiber resigniert feststellen: „Bleiben mehr Ausgaben als Einnahmen“. Nun, diese Feststellung bleibt meist auch, uns Heutigen, wenn wir Bilanz ziehen.

Im übrigen aber gewährt uns das Inventarium, dem sämtliche Ausgabenbelege fein säuberlich angefügt sind, Einblick in eine zufriedene genügsame Zeit. DA wurden beispielsweise die Gemeindeäcker an die Meistbietenden verpachtet. Von den 10 Interessenten, die je „ein Loos“ (einen Anteil) ersteigerten, setzten vier Einwohner drei Kreuze als Handzeichen, das heißt sie waren des Schreibens nicht kundig. Dennoch waren sie wohl glücklicher als wir, die wir so versiert im Lesen und Schreiben sind, dass wir von Nachrichten über Sputniks, Fernraketen und
Atombomben nur so überfüttert werde. Und wie billig wurde damals gearbeitet!
Ein Maurermeister erhielt für Mauerarbeiten pro Tag 35 Kreuzer. Ein Gulden (= 60 Kreuzer) bedeutete für ihn also nahezu 2 Tage harte Arbeit. Und wie genau man war! Da hatte ein Fuhrmann 6 Zentner Schiefer zur Reparatur des Rathausturmes angefahren und „mit eichener Handunterschrieft“ bestätigt, dass er 8 Gulden, 6 Kreuzer dafür einkassierte, da setzte der Gemeindevorsteher unter die Quittung den Vermerk: „600 Pfund Schiefer richtig gewogen. Johann Hofmann“.


Ja, so war das damals! So genügsam, zufrieden und peinlich genau...

Quelle: Heinrich Schrepfer

GESCHICHTSBUCH

© copyright 2008 schwuerbitz.net
Design by: schwuerbitz.net