Vor fünf Jahren - schwuerbitz.net erinnert

an den "Wetterwahnsinn" - Anfang Januar 2003

Es stieg und stieg und stieg.... Der Main trat am 2. Januar aus seinen Ufern. Schnell waren neue Wörter wie "Wetterwahnsinn" und "Jahrhunderthochwasser" gefunden. Die freiwillige Feuerwehr Schwürbitz war rund um die Uhr im Einsatz und am 3. Januar war die Meldestufe 3 mit 553cm erreicht. Im Fernsehen gab es Sondersendungen und der Bayerische Rundfunk kam mit seinen Ü-Wagen nach Schwürbitz um von den aktuellen Ereignissen zu berichten. Feuerwehrkommandant Uwe Lindner wurde damals von Markus Feulner (BR) zu den Einsätzen interviewt.

Markus Feulner, BR: "Ja, bei mir ist jetzt Uwe Lindner, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Schwürbitz. Man hat´s grad im Beitrag gesehen Herr Lindner, der Sand aus der Sandkiste des örtlichen Kindergarten musste herhalten. Sie haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt. Was waren denn die Fehler die sie hier in Schwürbitz gemacht haben?"

Uwe Lindner: "In der Vergangenheit wurde es wahrscheinlich zu wenig mit Sandsäcken gemacht. Wir haben vom Hochwasser im vergangenen Jahr gelernt. Beim Einsatz in Dresden, wo wir auch eingesetzt wurden, konnten wir sehen wie man Dämme baut. Und so haben wir beschlossen jetzt einen Damm zu bauen um die Anwohner vor Schäden, denn die Keller und Garagen, die meistens tiefer liegen als die Straße hier, vom Wasser zu bewahren. Es ist sehr gut, daß die Sandsäcke im vergangenen Jahr angeschafft wurden."

Markus Feulner: "Das war eine Erfahrung aus dem großen Sommerhochwasser?"

Uwe Lindner: "Ja kann man sagen."

Markus Feulner: "Hier, - und das muß man vielleicht zur Erklärung noch sagen, - die Straße auf der wir stehen, die war fast vor genau einem Jahr beim letzten Hochwasser komplett überspült und die anliegenden Häuser waren dadurch natürlich vom Hochwasser bedroht. Jetzt ist hinter uns eine Sandsackbarriere aufgebaut und dahinter staut sich der Main und die hier in den Main fließende Rodach, zu einem riesigen gewaltigen See. Herr Lindner, wie lang war denn heut ihr Arbeitstag? Wann gings denn los?"

Uwe Lindner: "Der Alarm kam heute morgen um 5:27 Uhr. Wir waren bis 16:00 Uhr im Einsatz und wir werden auch weiterhin die ganze Nacht den Damm kontrollieren. Für diese Nacht sind weitere Regenfälle vorausgesagt. Wir müssen halt mal schauen, ob der Main weiterhin zurückgeht. Er ist mittlereweile 7cm zurückgegangen und wir hoffen jetzt, daß nichts mehr dazu kommt."

Markus Feulner: "Wie sind denn die Prognosen? Geht er weiter zurück?"

Uwe Lindner: "Das kann man schlecht sagen. Wenn Regenfälle kommen, dann wird es wahrscheinlich noch mal etwas steigen. Wir hoffen
aber, daß es nicht mehr regnet und dann geht er auch weiterhin zurück."

Markus Feulner: "8000 Sandsäcke das ist für Schwürbitz genug. Wie ist es mit anderen Gemeinden? Man hat vorhin Michelau gesehen. Das ist die Nachbarschaftsgemeinde, die stehen ja ziemlich im Wasser. Sind die nicht geschützt?"

 

Uwe Lindner: "Doch - Allerdings ist es in Michelau etwas anders als es bei uns der Fall ist. Der Hochwasserdamm und die örtlichen Gegebenheiten sind etwas anders als bei uns in Schwürbitz. Die 8000 Sandsäcke sind nicht nur für uns in Schwürbitz, wir haben hier nur ungefähr 2500 verbaut, und so sind für Michelau auch noch genügend Sandsäcke übrig die verbaut werden können."

Markus Feulner: "Es heisst ja immer wieder, diese Hochwasser kommen immer unglaublich schnell und gehen auch immer schnell wieder. Stimmt das? Ist das tatsächlich so, daß die immer so überraschend kommen und meistens dann auch noch in der Nacht?"

Uwe Lindner: "Heute morgen von 3:30 bis 5:30 ist der Main sehr schnell gestiegen. Und nachdem dann der Alarm kam, hatten wir wirklich drei Stunden zu tun, die Sandsäcke schnellstmöglichst auszulegen, damit wir das Wasser halten können."

Markus Feulner: "Was muss denn eigentlich hier gemacht werden? Was muss denn hier passieren in Oberfranken? Diese Hochwässer kommen jetzt ja wirklich jährlich im schönen Turnus."

Uwe Lindner: "Wo das genau herkommt - ich weiß es nicht. Wahrscheinlich durch die Hochwasserfreilegung."

Markus Feulner: "Also es ist vermutlich der Landschaftsverbau. Die Böden sind vollgesaugt, die können kein Wasser mehr aufnehmen. Spielt das Klima hier ein bißchen verrückt? Normalerweise ist es ja krachkalt. Jetzt haben wir eigentlich gediegene Temperaturen von ungefähr 8 Grad."

Uwe Lindner: "Vom Klima ist wirklich wärmer, als noch vor ein paar Jahren. Aber Hochwässer hatten wir die letzten Jahren immer mehr. Nícht mehr wie früher alle 2 oder 3 Jahre mal. Mittlerweile haben wir das Hochwasser schon 2-3 mal im Jahr."

Markus Feulner: "Mit wieviel Leuten waren Sie denn hier jetzt im Einsatz gewesen in Schwürbitz?"

Uwe Lindner: "Wir waren mit ca. 35 Leuten im Einsatz."

Markus Feulner: "Und das hat gereicht?"

Uwe Lindner: "Das hat ausgereicht. Jedoch die Leute waren von früh bis spät voll ausgelastet. Ein jeder war voll eingebaut."

Markus Feulner: "Wie gehts jetzt weiter? Sie haben gesagt, die Dammwache ist heute abend unterwegs. Die nächsten Tage wird der Main begutachtet, - wie gehts jetzt weiter?"

Uwe Lindner: "Wir werden jetzt die Nacht durchmachen und morgen früh werden wir eine weitere Entscheidung treffen. Das heißt in der Nacht wird eine Schicht kontrollieren. Die Bereitschaftsschicht ist befindet sich im Feuerwehrgerätehaus und morgen früh wird dann wieder abgewechselt."

Markus Feulner: "Aber es war jetzt - letzte Frage - kein Jahrhunderthochwasser gewesen? Sondern das war ein normales Hochwasser in Anführungsstrichen?"

Uwe Lindner: "Nein, das kann man nicht sagen. Das Hochwasser vor einem Jahr war ja schon ein sehr großes Hochwasser, das kam dem Hochwasser von 64 oder 65 sehr nah. Und in diesem Jahr das gleiche wieder. Also ich weiß auch nicht!?...."

Markus Feulner: "Das kommt dann immer darauf an, was die Experten dazu sagen. Da hat zum Beispiel heute ein Herr vom Wasserwirtschaftsamt gesagt: "Naja das ist ein 5-jähriges!" ... ich weiß nicht wie man das beurteilen kann. Haben Sie eine Regel dafür?"

Uwe Lindner: "Ich habe da keine Regel dafür. Denn wenn man sieht von 1954 bis zum letzten Jahr, - und von letztes Jahr bis heute, da kann man weder von einem Jahrhundertwasser, noch von einem 5-jährigen sprechen. Ich denke persönlich, bei einem Hochwasser steckt man nicht drin, da weiß man nicht was auf einem zukommt."

Markus Feulner: "Aber man nimmts mit Humor in Schwürbitz, oder?"

Uwe Lindner: "Ja, was heißt Humor? Es ist schon Anstrengung dabei, aber die Leute hier in der Michelauer Straße die kennen es und waren heute auch hoch erfreut, daß wir das geschafft haben und sie weiter keine Schäden hatten. Dann ist natürlich wieder ein bißchen Humor dabei."

Markus Feulner: "Natürlich, das macht wahrscheinlich auch die langjährige Erfahrung mit dem Hochwasser."

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