2005 - Neue Glocken für die evangelische Kirche
Im Jahre 2005 erhielt die evangelische Kirche in Schwürbitz zwei neue Glocken, nachdem die aus dem Jahre 1951 stammenden Glocken eine Materialermüdung aufwiesen.

1951 wurden zwei neue Eisenglocken (Eisenhartguss) angeschafft. Das Material war damals preisgünstiger, zumal in der Nachkriegszeit nicht so viel Geld da war und Eisen eher zu bekommen war, wie Kupfer und Zinne. Die Nachteile lagen natürlich auf der Hand, dass sie eine kürzere Lebensdauer und ein geringeres Klangvermögen beinhalteten. Ca. alle 15 Jahre wurde eine Inspektion durchgeführt. So wurden 1998 vom Glockensachverständigen Sigurd Knopp aus Sonnefeld Sprünge und Risse in den beiden Metallglocken festgestellt. Außerdem war der Klang auch nicht mehr der Beste. Gefahrengründe kamen außerdem hinzu. Bereits 1998 hatte der ev. Kirchenvorstand beschlossen, Geld zu sammeln, damit neue Glocken gekauft werden können. Die Anschaffung kostet ca. 23.000 EUR. Von der politischen Gemeinde wurde eine Zuwendung von 5000 EUR in Aussicht gestellt.

Der Glockenguss der beiden neuen Glocken fand am 22. April 2005 in Passau statt. Hierzu war eine Abordnung Schwürbitzer mitgereist. Dort erlebte man einen "heißen Tag" in der Glockengießerei Perner. Bei Temperaturen um 1100 Grad sind in einer drei Meter tiefen Grube mehrere neue Glocken „geboren“ worden. Während des Glockengusses entstand viel Staub und Schmutz, deshalb musste eine entsprechende Kleidung angezogen werden. Der gesamte Glockenguss dauerte ca. zwei Stunden.ach dem gewünschten Klang einer Glocke berechnete der Gießer die Form der jeweiligen Glockenwand. Das berechnete Profil wurde auf ein Schablonenbrett gezeichnet, sozusagen die Grundlage für die handwerkliche Arbeit. Der Formenbau begann mit dem Mauern eines Ziegelkerns. Zunächst wurde der Kern aus Ziegeln aufgemauert, wobei gleich ein Schablonenbrett mit Blechstreifen zu erkennen war. Im zweiten Schritt wurde der Kern mit mehreren Lehmschichten umgeben. So wurde dann die exakte Form erreicht. Anschließend wurde der Lehm mit der Schablone glatt gestrichen und der Kern war fertig. Er stand bereits in der Gussgrube. Es wurden nun Schriften aus Wachs geklebt und die falsche Glocke entstand. Wieder wurde Lehm aufgetragen und der Mantel war sichtbar. Das Wachs wurde nun geschmolzen und der Mantelabgehoben. Man schlug nun die falsche Glocke vom Kern ab. Durch den wieder aufgesetzten Mantel entstand ein Hohlraum. Dieser wurde mit geschmolzenem Metall gefüllt.

Es wurden stets mehrere Glocken gleichzeitig gegossen. Dazu wurden die Formen in der Gusshaube „fest gemauert in der Erden“, wie Friedrich von Schiller schrieb. Über der Grube wurde ein Kanalsystem aus Ziegelsteinen verlegt, durch das das Metall geleitet werden konnte. Durch ein Holzfeuer wurde die Bronze, bestehend aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn, zum Schmelzen gebracht. Mit langen Fichtenstämmen wurde die glühende Masse im Ofen ständig in Bewegung gehalten. Die Gusstemperatur lag bei 1200 Grad. Unmittelbar vor dem Anstrich beteten alle Zuschauer für das Gelingen des Gusses. Die vermummten Arbeiter nahmen ihre Positionen ein und warteten auf die Kommandos des Glockengießers. Wie glühende Lava schossen die brodelnden Metallmassen durch die Kanäle und füllten die vergrabenen Formen. In diesem
Augenblick konnte noch niemand sagen, ob der Guss gelungen war. Es wird mehrere Tage dauern, bis das Metall abgekühlt ist und die Formen ausgehoben und zerschlagen werden. Die hohe Qualität der Glocken wird durch eine Werksprüfung im Hause Perner garantiert.
Die neuen Glocken bestehen aus Bronze. Sie sind auf der gleichen Tonhöhe gestimmt, wie die bisherigen Glocken, nämlich die eine aus „gis“ in der 1. Oktave und die andere auf „h“ in der 1. Oktave. Die Größere wiegt etwa 550 kg und etwa 320 kg die Kleinere. Die kleinste Glocke wird im Turm hängen bleiben. Sie besteht aus Bronze und hat daher keine Risse und Sprünge. Die anderen beiden Glocken waren aus Eisen und Risse sind bereits deutlich sichtbar. Die neue größte Glocke hängt dann in der Turmmitte und sie wird das Bild des Osterlammes tragen.Die mittelgroße Glocke wir die Aufschrift erhalten: Ich bin der gute Hirte.
Eine der alten Eisenglocken hat ein Schwürbitzer erhalten, der eine großzügige Spende getätigt hat. Die andere Glocke wurde nach Tansania (Partnerdekanat) transportiert. Hier bestand der Wunsch nach Glocken.

Mit der feierlichen Glockenabholung fand am ein weiterer Höhepunkt in der Ortsgeschichte von Schwürbitz statt. Viele Gäste aus Nah und Fern waren am Samstagnachmittag in Schwürbitz dabei, um dieses besondere Ereignis mitzuerleben. Die Straßen und Häuser waren festlich geschmückt. Zahlreiche Vereinsabordnungen mit Fahnen, kirchliche Vertreter beider Konfessionen sowie Gemeindevertreter nahmen hinter dem festlich geschmückten Pferdefuhrwerk mit Glocken Aufstellung, um dann unter musikalischer Begleitung der Blaskapelle Schwürbitz durch die Ortschaft zu ziehen. Angeführt wurde der Festzug vom Pferdefuhrwerk, der Geistlichkeit mit Pfarrerin Lucia Ehrnsperger, Pfarrer Ireneusz Zorawski und Pfarrer Wolfgang Scherbel, zahlreichen Kirchenvertretern beider Konfessionen, sowie den Michelauer Gemeindevertretern mit Ersten Bürgermeister Fred Köhlerschmidt und Adolf Schultheiß, den Bürgermeistern Sepp Stark (Marktzeuln) und H. Stöckert Hochstadt, sowie den einzelnen Vereinen mit Fahnenabordnungen. Auch Altbürgermeister Karl Götz war mit seinem Fahrrad zu diesem schönen Ereignis gekommen.


Nachdem der Festzug an der evangelischen Kirche angekommen war, spielte die Blaskapelle Schwürbitz unter Leitung von Oswald Kremer einen Choral. Pfarrerin Lucia Ehrnsperger begrüßte neben den einzelnen Ehrengästen, Gemeinde- und Kirchenvertretern die gesamte Bevölkerung. Sie zeigte sich erfreut, dass wohl ganz Schwürbitz, also beide Konfessionen, an diesem besonderen Ereignis teilgenommen haben. Auch der Festausschuss „825 Jahre Schwürbitz am Main“ war präsent. Ebenso sowie Karin Reißenweber (die Frau vom verstorbenen Pfarrer Andreas Reißenweber).






So gaben die einzelnen Uniformen und Fahnenabordnungen ein buntes und festliches Bild ab. Zudem sorgten die Blaskapelle Schwürbitz und der Gesangverein Liedertafel für die würdige musikalische Umrahmung. Natürlich passte das geschmückte Pferdefuhrwerk mit den beiden neuen Glocken so richtig in das festliche Bild. Pfarrerin Lucia Ehrnsperger stellte die Andacht unter das Thema „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“. Die Pfarrerin betete zusammen mit der gesamten Gemeinde „Ich bin der gute Hirte“. Anschließend intonierte die Blaskapelle „Lobe den Herren, den mächtigen König“. Pfarrer Ehrnsperger ließ die gesamte Glockengeschichte Revue passieren, angefangen von den Planungen und Ideen vor sieben Jahren bis hin zum Glockenguss vor wenigen Tagen, dem eine Schwürbitzer Abordnung beiwohnte. Der Dank galt allen kirchlichen Mitarbeitern und Spendern, die diesen schönen Tag ermöglicht hatten. Sie verglich das Entstehen einer Glocke mit der Geburt eines Menschen. Es ist immer ein ganz besonderer Moment, wenn ein Kind zur Welt kommt. Ebenso ist es mit den Glocken. Hier ist man gespannt, wie sie gelungen sind und beim ersten Läuten wohl klingen werden. Viele Menschen haben dabei mitgewirkt, angefangen vom evangelischen Kirchenvorstand bis hin zur Firma Perner aus Passau. Pfarrerin Ehrnsperger gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass nun viele Gläubige und Menschen aus Schwürbitz und Umgebung dem Glockenruf folgen mögen, um mit Jesus Christus im jeweiligen Gottesdienst vereint zu sein. In dieser Stunde wollen wir Gott für das gelungene Werk danken, loben und preisen. Anschließend sang der Gesangverein Liedertafel Schwürbitz unter Leitung von Alexandra Kober „Freuet Euch ihr Christen“.




Nach einem gemeinsamen „Vater unser“ und Segensgebet trug die Liedertafel das Lied „Tona nobis pacem“ vor. Zum Abschluss spielte die Blaskapelle Schwürbitz „Großer Gott wir loben dich“, dass alle Besucher kräftig mitsangen. Nach der offiziellen Feststunde spielte die Blaskapelle zum Standkonzert auf, während alle Besucher vom Kirchenvorstand sowie freiwilligen Helfern vorzüglich mit Kaffee, Kuchen Happen und Getränken bewirtet wurden.


Am Dienstag, den 3. Mai wurden die beiden alten Glocken der evangelischen Kirche von der Firma Perner, Passau, ausgebaut und mittels Kran vom Turm herabgelassen. Dabei halfen auch einige tüchtige Schwürbitzer mit. Gleichzeitig wurden die beiden neuen Glocken ebenso mit dem Kran nach oben hochgezogen und in der Glockenstube eingebaut. Die Schwürbitzer Bürger ließen sich dieses Spektakel nicht entgehen.
Die alten Glocken:

"Kommet her zu mir alle die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken"
"Den gefallenen Helden zum Gedächtnis - den Lebenden zur Mahnung"