75 Jahre evangelische Kirche in Schwürbitz
Am 8. Mai 1927 wurde nach mühevollen und entbehrungsreichen Jahren, feierlich eingeweiht worden. Heute bildet die evangelische Kirchengemeinde eine lebendige Pfarrei im Michelauer Dekanat. Die geistige Grundsteinlegung der evangelischen Kirche in Schwürbitz fand bereits 1898 statt als in Anwesenheit des Michelauer Dekan Käppel und Vikar Müller ein Kirchenbauverein gegründet wurde. Heinrich Pülz und sein Stellvertreter Andreas Gick bildeten die Vorstandschaft. Schon nach kurzer Zeit konnte das entsprechende Baugelände für Kirche und Pfarrhaus, mitten im Dorf gelegen, von Lorenz Schmidt sehr günstig erworben werden. Durch Spenden, auch von auswärtigen Orten, entstand ein statt-liches Baukapital. Am 1. Januar 1912 betrug das Barvermögen rund 18.000,-Mark. Die Baufrage wurde aufgeworfen, fand jedoch unter den "Haushaltsvorständen" keine Resonanz. Das Kriegsgeschehen brachte jegliche Initiativen zum Erliegen. Am 09. März 1919 fand endlich wieder eine Generalversammlung des Kirchenbauvereines statt. 1921 war das Vermögen auf 39.000,-Markangewachsen. Im Protokollbuch ist zu lesen: "So wünschenswert es wäre, bald mit dem Bau einer Kirche beginnen zu können, ist es zur Zeit, infolge der traurigen Geldverhältnisse, in dem sich unser Vaterland befindet, unmöglich, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen." Trotz beginnender Geldentwertung war die Opferbereitschaft der christlichen Gemeinde groß. Ende 1922 war das Barvermögen des Kirchenbauvereins als Folge der Inflation auf 1.087.000,- Mark angewachsen. Dennoch bildete das Jahr 1922 einen Höhepunkt in der Gemeinschaft der evangelischen Christen in Schwürbitz. Am Pfingstfest wurde der erste Hilfsgeistliche, Predigtamtskandidat Heinrich Bock aus Rothenstadt (bei Weiden/Oberpfalz) durch den Michelauer Dekan Kirchenrat Kreß, eingeführt. Erstmals fanden damit in Schwürbitz evangelische Gottesdienste statt. Als sogenannter "Betsaal" diente das große Sit-zungszimmer des Gemeindehauses (ehemaliges katholisches Schulhaus). Um der Notlage Rechnung zu tragen, hatte man sich in der Versammlung 1922 darauf geeinigt, ein "Bethaus" mit einer bescheidenen Wohnung für den Geistlichen zu bauen. Dieser Beschluss bedeutete für viele Gemeindemitglieder Verzicht auf das eigentliche Ziel und trug viel Uneinigkeit in die Gemeinde hinein. Das Projekt wurde jedoch nicht genehmigt zumal auch die Sammlungen nicht die erforderliche Geldsumme zusammen gebracht hatten. Schwürbitz wurde zunächst Tochterkirchengemeinde. Zusammen mit Marktzeuln und Lettenreuth gehörte man zur Pfarrgemeinde Michelau.
Die Schwürbitzer bemühten sich weiter beharrliche um Geldspenden. Die Werbetätigkeit durch Haussammlungen, Verlosungen und Theaterspiele wurde verstärkt. Bittgesuche wurden gerichtet an Firmen, an Glaubensbrüder wie den Freiherrn von Seckendorf-Strößendorf, Geheimrat Dr. Hornschuch-Kulmbach, Baron von Cremer-Klett-Mitwitz, Majes-tät König Ferdinand von Bulgarien, Herzog Eduard von Coburg und verschiedene Deutsch-Amerikaner. Die Unterstützung blieb nicht aus. Gaben und Spenden von Gemeindemitgliedern flossen wieder. Die Beschaffung von Rohsandsteinen aus dem Steinbruch von Andreas Höllein, der die Ausbeute kostenlos stattgab, wurde in Eigenleistung getätigt.
Trotz dieser Erfolge traten im Verein Unstimmigkeiten auf, die Vorstandschaft wurde erneuert. Die zunehmende Geldentwertung ließen den Glauben an eine Verwirklichung des Bauprojektes schwinden. Hinzu kam noch dass der schließlicheingereichte Plan von der Regierung nicht genehmigt wurde. Doch man gab nicht auf. Eine neu Planung wurde vom Architekten Professor Will aus Nürnberg erstellt. Am Himmelfahrtstag, den 21. Mai 1925, traf die Mitteilung zur "vorläufigen Bauerlaubnis" ein. Schon einen Tag später wurde der Grundriss der Kirche abgesteckt und der erste Spatenstich ausgeführt. Die Arbeiten am Fundament begannen am 9. Juni. Die Erdarbeiten und der Aushub wurden größtenteils von freiwilligen Helfern ausgeführt. Dank der zügig durchgeführten Ar-beiten konnte bereits am 19. Juli 1925 die Grundsteinlegung erfolgen. Der Seelsorger grüßte die feiernde Gemeinde mit den Worten: "Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein".
Der Rohbau der Kirche sollte noch bis Herbst fertig werden. Am 7. November fand die Hebefeier des Dachstuhles über dem Kirchenschiff, statt. Die Dacheindeckung konnte dann am 23./24. November abgeschlossen werden.

Vikar Heinrich Bock entpuppte sich als unermüdlicher Organisator, was ihm den Ehrennamen der "Baudirektor" einbrachte.

Der staatlich genehmigte Verkauf von Kirchenpostkarten in ganz Bayern erbrachte zusätzliche Geldmittel. Weiter fanden inWintermonaten Konzertabende, Theateraufführungen und Liedvorträge in Schwürbitz und Michelau statt, wobei das Zusammenwirken von Schule und Kirche immer Zustimmung fand.

Am 8. Mai 1927, Sonntag "Jubilate", war der Höhepunkt in der Geschichte des Kirchenbauvereins und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Schwürbitz. Schwürbitz wurde evangelisches"exponiertes“ (herausgehobenes) Vikariat. Nach 26 Jahren unermüdlicher Vereinsarbeit feierte man die Einweihung der Kirche. Der Festtag wurde morgens vom Kirchturm herab mit dem Martin-Luther-Choral: "Ein feste Burg ist unser Gott" durch einen Posaunenchor eingeleitet. Am Nachmittag zog ein feierlicher Festzug zur Kirche. Über 3500 Menschen wohnten dem Ereignis bei. Zu ihnen zählten der Oberkirchenrat Priester, Dekan Roth, der Ortsgeistliche Heinrich Bock, 32 Geistliche aus den Dekanaten Michelau, Coburg, Kronach, Kulmbach, Bamberg und Weiden, die katholische Kirchenverwaltung, Gemeinderat, Ehrengäste, Vertreter der örtlichen Vereine, Bauarbeiter und Handwerker. Oberkirchenrat Prieser vollzog die kirchliche Weihe des Gotteshauses, Professor Will überreichte die Schlüssel und der Ortsgeistliche Vikar Bock hielt die Festpredigt. Eine ganze Reihe von Seelsorgern betreute nach Heinrich Bock in der 75jährigen Kirchengeschichte die evangelische Kirchengemeinde in Schwürbitz. Herausragend sind dabei die Namen Hans Preß, Andreas Reißenweber und auf Grund der Aktualität Pfarrerin Lucia Ehrnsperger.
Mit über 34 Jahren Amtszeit, von 1939 bis 1973 war Pfarrer Hans Preß der Geistliche, der bisher am längsten die Geschicke der evangelischen Kirchengemeinde in Schwürbitz bestimmte. Allerdings war die Ära Preß unterbrochen durch neun Jahre Militärdienst. Ende 1939 wurde nämlich der damalige Vikar Preß gegen seinen Willen zum Militärdienst abkommandiert. Erst 1948 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Von 1976 bis 1998 war Pfarrer Andreas Reißenweber 22 Jahre lang Seelsorger in Schwürbitz. Sein früher Tod löste in der Gemeinde große Anteilnahme aus. Seit 1999 ist mit Pfarrerin Lucia Ehrnsperger erstmals eine Frau Seelsorgerin in Schwürbitz. Ihr Name wird deshalb untrennbar mit dem 75jährigen Kirchenjubiläum verbunden sein. Neben den Geistlichen war es immer wieder die Gemeinde selbst, die in vielerlei Aktivitäten, die größtenteils noch heute Bestand haben, aktiv die Kirchengeschichte in Schwürbitz bestimmte. So gründete Gusti Preß, die Ehefrau von Pfarrer Preß 1962 gemeinsam mit anderen Frauen einen Frauenkreis. Dieser feiert im Jahr des 75jährigen Kirchenjubiläums sein 40jähriges Bestehen. Vorrangiges Ziel des Frauenkreises war und ist die Pflege der Gemeinschaft durch Basteln, Dia-Abende, gemeinsame Andachten, Tischabendmahl, Singen, Geburtstaggratulationen. Auch Spiel und Spaß sollten nicht zu kurz kommen. Auch heute noch unternimmt der Frauenkreis. Tagesausflüge, Theaterbesuche, veranstaltet Gartenfeste. Advents- und Weihnachtsfeiern. Besonders aktiv zeigt sich der Frauenkreis bei den Vorbereitungen und der Durchführung von kirchlichen Veranstaltungen. Die Treffen finden alle zwei Wochen, am Montag um 19.00 Uhr, im evangelischen Jugendheim statt. Um einiges älter als der Frauenkreis ist die „Liedertafel“. Wie in vielen anderen fränkischen Dörfern sangen früher auch die Schülerin-nen der evangelischen Volksschule bei Beerdigungen auf den Friedhö-fen in Schwürbitz und Hochstadt. Auf Anregung von Eva und Herbert Fischer fanden sich 1946 Sängerinnen und Sänger aus dem Kirchenchor bereit bei Beerdigungen auf dem Friedhof und an kirchlichen Festta-gen in der Kirche zu singen. Um das Liedgut einzuüben, musste eine zusätzliche Singstunde für diesen "Neuen Chor", die „Liedertafel“, eingeführt werden. Die Liedertafel existierte damit einige Jahre neben dem evangelische Kirchenchor. Nach dem plötzlichen Tod des langjährigen Dirigenten Adam Lincke wurde die Liedertafel wieder in den Hauptchor, den evangelischen Kirchenchor eingegliedert. Wöchentlich findet nun am Donnerstagabend die Singstunde statt. Dort werden sowohl Lieder für öffentliche Auf-tritte alsauch kirchliche Lieder eingeübt. Schon über fünfzig Jahre lang, verschönern die Sängerinnen und Sänger des Chores, bis 1993 unter Leitung von Eva Fischer und dann bis heute unter Alexandra Ko-ber, zur großen Freude der Kirchgänger mit ihren Liedern den Festgottesdienst. Auch beim Abschiednehmen auf dem Friedhof wird der Grabgesang der Liedertafel fast immer gewünscht.
Quelle: Heinrich Weber