Die reformatorische Bewegung 1520

 

Die reformatorische Bewegung hatte in den 1520er Jahren auch die Menschen am Obermain erfasst. Zwar war der reformatorische Eifer Ende des Jahrzehnts erloschen, doch kehrten die Gläubigen nicht zur katholischen Kirche zurück.
Schwürbitz gehörte seit dem Hochmittelalter zur Pfarrei Marktgraitz. Als 1552/53 Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach das Hochstift besetzt hielt, führte er einen evangelischen Pfarrer ein, Pankraz Reuß, dem Rochus Meyer aus Heidelberg folgte.

"Allerhand Frevel"

Die Lage änderte sich mit der Gegenreformation. Der Bamberger Bischof Neithard von Thüngen sah sich genötigt, seine Untertanen vor die Wahl zu stellen, den katholischen Glauben anzunehmen oder das Land zu verlassen. Doch der Versuch, den evangelischen Pfarrer von Marktgraitz zu vertreiben scheiterte 1597 am Widerstand der Gemeinde. Erst 1598 gelang die Einsetzung eines katholischen Pfarrers, doch der musste sich "allerhand Frevel und Mutwillen" gefallen lassen und wurde schließlich wieder durch einen evangelischen Geistlichen ersetzt. Erst 1609 konnte Johann Gottfried von Aschhausen nach einer hinterhältigen Entwaffnung der Untertanen die Vertreibung der evangelischen Geistlichen in Marktzeuln und in Marktgraitz erzwingen. Doch nun regte sich Widerstand aus Schwürbitz durch Kilian Schauer. Als Sohn des evangelischen Pfarrers von Niederfüllbach geboren, kam er durch die zweite Ehe seiner Mutter schon als Kind nach Schwürbitz. Schauer hatte Rechtswissenschaft studiert. Als Jurist strengte er eine Klage vor dem Reichskammergericht in Speyer gegen die Vertreibung der evangelischen Pfarrer an. Gleichzeitig hielt er Briefkontakt in die Heimat, gab Verhaltensmaßregeln und Appelle, sich nicht einschüchtern zu lassen.
Zwar schuf der Bamberger Bischof im November 1609 vollendete Tatsachen, indem er die Männer aus Marktzeuln und Marktgraitz verhaftete, die evangelischen Pfarrer vertrieb und katholische einsetzte. Doch Erfolge konnten auch die Gemeinden verzeichnen. Dazu gehörte das gerichtliche Mandat an den Bischof, er solle die Kläger - die Einwohner der beiden Pfarrsprengel - bis zu einer Entscheidung über die anstehende Klage in ihren Häusern unbehelligt wohnen lassen. Allerdings starb Schauer um die Jahreswende 1613/14. Er konnte nicht verhindern, dass auch die bischöflichen, die domkapitelischen und die Obleihintersassen in Schwürbitz vor die Wahl gestellt wurden, den katholischen Glauben anzunehmen oder fortzuziehen. Dabei ging die Bamberger Regierung jedoch nicht konsequent genug vor. Auf Phasen gesteigerter Aktivität folgten jahrelange Phasen der Untätigkeit. Auch 1624 musste das Domkapitel feststellen, es beharrten "noch etliche unsere underthanen zu Schwürbitz in ihren ungehorsam und halstarrigkeit". Nach einem erneuten Befehl, zu konvertieren oder zu emigrieren, waren 1624 unter den domkapitelischen Untertanen nur mehr "5 ungehorsamer weiber", wie Frauen sich überhaupt der Gegenreformation am hartnäckigsten widersetzten. Der Marktgraitzer Pfarrer freilich meldete noch im Juli 1625 nach Bamberg, dass nach wie vor viele Protestanten auf domkapitelischen Lehen in Schwürbitz wohnten. Nicht von der Gegenreformation waren die Zinspflichtigen der Ritterschaft erfasst worden. Die Ritter waren nur dem Kaiser, nicht dem Fürstbischof oder einem anderen Landesherrn untertan. Von 1629 an setzten sich die fränkischen Fürstbischöfe jedoch über die Autonomie des Niederadels hinweg. So vertrieben sie die evangelischen Pfarrer aus Schney, Herreth und Strössendorf. Auch die Hintersassen (Zinspflichtigen) der Redwitz und der Schaumberg in Schwürbitz bekamen den neuen, scharfen Wind zu spüren. Wenige Monate später erreichte der Dreißigjährige Krieg Franken. Die Frisch-Konvertierten, innerlich längst noch nicht für den katholischen Glauben gewonnen, kehrten vielfach wieder zum evangelischen Glauben zurück. Am Kriegsende, 1649, standen in Schwürbitz 20 erwachsenen Katholiken 88 Protestanten gegenüber. Sechs Jahre später waren es 38 katholische gegen 119 evangelische Erwachsene, unter letzteren auch Hintersassen des Bischofs und des Domkapitels. Der Umstand, dass in Schwürbitz 75 Prozent der Einwohner Lutheraner waren, in Michelau gar 90 Prozent, ließ die Regierung in Bamberg nicht ruhen. Mit Waffengewalt ging der Burgkunstadter Amtsverweser 1663 gegen die Protestanten vor und inhaftierte 14 Bürger auf der Burg Niesten. Dieses Vorgehen rief heftige Proteste hervor: Die herzogliche Regierung in Coburg wandte sich an die Fürstbischöfe von Bamberg und Würzburg, Herzog Wilhelm von Sachsen-Altenburg schaltete sich ein, dazu sämtliche Abgesandte der evangelischen Stände auf dem
Immerwährenden Reichstag zu Regensburg. Der Bischof gab seine gegenreformatorischen Bestrebungen endgültig auf. Und die Dorfordnung von Schwürbitz von 1716 enthielt ein Bekenntnis zum gleichberechtigten Nebeneinander von Katholiken und Protestanten. Die Schwürbitzer, unabhängig von ihrer Konfession und unabhängig davon, wo sie den Gottesdienst besuchten, gehörten zur katholischen Pfarrei Marktgraitz. Auch für die Protestanten bedeutete dies, dass der katholische Pfarrer die Kinder taufte, die Paare traute, die Toten zur letzten Ruhe auf dem Kirchhof von Marktgraitz begleitete.
Schwürbitz blieb auch noch bei Marktgraitz, nachdem in Michelau eine evangelische Pfarrei und eine evangelische Schule eingerichtet worden waren. Doch 1809 zeigten sich in Schwürbitz Bestrebungen, sich Michelau anzuschließen. Zunächst ohne Erfolg. 1823 jedoch griff der Verweser des Dekanats Michelau die Angelegenheit auf. Man beklagte, "dass die zu Schwürbitz wohnenden 200 Protestanten theils zu Michelau, theils zu Obristfeld, theils aber auch in dem zur Sachsen Hildburghausischen Pfarrey Sonnenfeld gehörigen Filial Weidhausen ihren Gottesdienst suchen. Um dem abzuhelfen, sollten die Schwürbitzer Protestanten der Pfarrei Obristfeld oder Michelau zugewiesen werden. Die meisten der Schwürbitzer tendierte nach Michelau. Schwierigkeiten machten freilich die Michelauer. Gegen einen Anschluss der Schwürbitzer hatten sie nichts, aber die neuen Gemeindeglieder sollten die Schulden mittragen, die durch den Pfarrhausbau, den Kirchenbau und durch die Dotierung der Pfarrstelle aufgelaufen waren, und sie sollten die Schule mitfinanzieren. Das freilich wollten die Schwürbitzer Protestanten nicht, denn sie hatten ja zu allen Lasten der Pfarrei Marktgraitz beigetragen. Das Landgericht Lichtenfels hielt die Einwände der Schwürbitzer für berechtigt. Endlich verfügte König Ludwig I. von Bayern am 10. Juli 1826: "Die protestantischen Einwohner des Orts Schwürbitz sind von der katholischen Pfarrey Markt Graiz aus - und in die protestantische Pfarrey Michelau einzupfarren." Alles schien klar, doch erneut erhob sich Widerspruch aus Michelau. Wieder ging es ums Geld und dessen Verwendung. Die Schwürbitzer waren der Sache leid. Sie forderten von der Regierung, man möge die Sache entweder entscheiden oder, falls das nicht gelinge, sie einer anderen Pfarrei (Obristfeld) zuweisen. Erst 1827 gelang es dem Landgericht, Einigkeit herzustellen. Damit gehörten die evangelischen Schwürbitzer endgültig zur Pfarrei Michelau. Zwei Jahrzehnte später freilich warfen die evangelischen Schwürbitzer die Schulfrage auf. Erst als man 1853 erneut die Gründung einer Schule beantragte, befürwortete der Lichtenfelser Landrichter ihren Wunsch. Die Antragsteller seien zu erheblichen Opfern bereit: Unter anderem erklärte sich der wohlhabendste unter den Schwürbitzer Protestanten, der Wirt Leonhard Fischer bereit, die Schule für zehn Jahre unentgeltlich in einem seiner Häuser unterzubringen. Zum Schuljahresbeginn 1855/56 eröffnete die evangelische Schule in Schwürbitz. Ihr wurden die evangelischen Kinder von Neuensee, Neuensorg, Lettenreuth und Trieb, vorher nach Michelau eingeschult, zugewiesen. Die Schule, an der zunächst durchschnittlich 60 Schüler unterrichtet wurden und die der Aufsicht des Michelauer Dekans unterstand, erhielt 1865 ihr eigenes Haus. Leonhard Fischer musste ein bisschen "schieben", doch dann kaufte die Schulgemeinde das Anwesen Nr. 67 und baute es um.

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