Das "Schwürbitzer Mühlenviertel"

Foto (um das Jahr 1900): Friedrich Wich, geboren am 27.11.1856 in Schwürbitz, gestorben am 13.2.1932, Margareta Wich, geborene Mayer, geboren am 6.7.1862 in Horb am Main, gestorben am 3.11.1930 in Schwürbitz, Anna Wich, geboren am 11.7.1890 in Schwürbitz, gestorben am 22.11.1959 in Küps, Kathi Wich, die Frau mit dem Krug ist die "Schweß Lorenza".

 

Aus einer umfangreichen notariellen Niederschrift im Jahre 1846 eine „Vermögensteilung der Gastwirts- und Metzgerswitwe Margaretha
Fischer von Schwürbitz“ statt (heutiges Anwesen „Unterer Fischer“, Michelauer Straße/Abzweigung Trieber Weg). Daraus ist zu erfahren, daß damals ihr großjähriger Sohn Friedrich Fischer „ein Wohnhaus mit Stadel, Nebengebäuden, Brauhaus, Backofen und Pottaschenhütten“ nebst einem zweiten Stadel mit Baumgarten erbte. Das Anwesen, von dem hier die Rede ist, war das Anwesen „Zum Stern“ (wie gesagt „Unterer Fischer“). Zusammen mit diesem Anwesen wurde Friedrich Fischer seinerzeit zugleich auch Besitzer der westwärts anschließenden alten Gebäudlichkeiten, die in dieser notariellen Niederschrift „das Mühlgut, bestehend aus Haus, Stadel mit Nebengebäuden und Hofraith“ genannt werden.

Das Mühlgut?
Der Wirt „Zum Stern“ saß auf dem Mühlgut. Im Jahr 1979 wurde die große, mählich in sich zerfallende Scheune des Mühlgutes niedergelegt. Das Haus nebenan aber, Michelauer Straße 13, mit seiner zu ebenen Erde liegenden Türe und seiner zum Main hin noch unverändert erhaltenen mittelalterlichen Bauweise war einst des Müllers Wohnung. Und dicht darunter –wie könnte es anders sein- lag seine Mühle. „Nun hat man sie endlich gefunden“, schrieb 1980 Heimatforscher Heinrich Schrepfer. „Sie wird wohl dort gewesen sein, wo der Fluß zwischen Mainbrücke und „Waage“ das stärkste Gefälle aufweist“, schrieb der Verfasser damals. Es war eine Annahme, die zwar alle Wahrscheinlichkeit für sich hatte, die aber der Bestätigung bedurfte.


Drunten im „Bau“, dem früher idyllischen Schützenfestplatz, klapperte einstmals –nicht minder romantisch- das Mühlrad am rauschenden Main. Unmittelbar unterhalb der Brücke ergoß sich ein kräftiger Seitenarm des Flusses in das Gelände zur Rechten, das ja erst seit jenen Tagen, da hier „gebaut“, nämlich eine gründliche Uferregulierung vorgenommen und ein langgestreckter Damm errichtet wurde, den Namen „Bau“ erhielt. Noch bis zu dieser Zeit verlief unterhalb des alten Müllerhauses (heutige Familie Rainer Wich) ein strammer Graben –der ehemalige Mühlgraben.

Es dienten Mühle und Brücke dem Kloster Langheim treu und brav durch fünf Jahrhunderte hindurch, ein halbes Jahrtausend lang. 1692 wurde
durch den Langheimer Abt mit dem Bau des Naßanger-Rundbaues begonnen. Wegen der alljährlichen Hochwasser war später die Mühle für die Langheimer nicht mehr interessant. Vielleicht diente die Mühle später noch einige Zeit auch der Ortschaft Schwürbitz, so Heinrich Schrepfer. Doch sie rentierte sich sicherlich nicht; denn Schwürbitz war nun einmal kein Bauern-, sondern Flößer- und Handwerkerdorf. Sie verfiel und ihre Spur verlief sich mehr und mehr. Zwar wussten die Großväter und Urgroßväter aus der Erinnerung ihrer Großväter noch mancherlei von ihr zu erzählen, aber ein schriftlicher Hinweis war nirgendwo zu finden.

Jedenfalls war das „Mühlenviertel“ damals ein gewichtiger Teil der Ortschaft. Ihm schloß sich spätere das „Brunnenviertel“ an, das die natürliche Verbindung zum oberen Dorf schuf, wo im Zuge der großen Rodungen rings um die Röthen, die Reuthen und den Hühnerberg das alte Forsthaus, Gemeindehaus und Steinerne Haus längst Stellung bezogen hatten, soweit die geschichtlichen Aspekte.


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