1595 - Glaubenskriege ... Kilian Schauer & der Bamberger Bischof

 

Fürstbischof Neithard von Thüngen wies ab 1595 seine Untertanen an, sich zum katholischen Glauben zu bekennen oder fortzuziehen. In den meisten Ämtern gehorchten sie, mancherorts gab es Murren, in wenigen Pfarreien erhob sich Widerstand. Letzteres war der Fall, als1597 der evangelische Pfarrer von Marktgraitz ab- und ein katholischer Nachfolger eingesetzt werden sollte. „So wahr Gott ist“, schrieb der Burgkunstadter Vogt nach Bamberg, würden die Graitzer „keinen catholischen Pfarrherr annehmen“. 1598 gelang die Amtseinführung eines kath-olischen Pfarrers zwar, er mußte sich aber „allerhand Frevel und Mutwillen“ gefallen lassen. Kaum war Neithard von Thüngen Ende 1598 ge-storben, überfielen Marktgraitzer den Pfarrer, luden seine Habe auf einen Wagen, trieben ihn zum Dorf hinaus und setzten den früheren evangelischen Pfarrer wieder ein.

Sobald den evangelischen Pfarrern von Graitz und Zeuln befohlen war abzuziehen, regte sich in beiden Pfarrsprengeln Widerstand. Motor dieses Widerstands war ein Schwürbit-zer: der Notar Kilian Schauer. Als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Niederfüllbach geboren, kam er durch die zweite Ehe seiner Mutter schon als Kind nach Schwürbitz. Schon 1597/98 hatte Schauers großer Bruder, nachmals selbst evangelischer Geistlicher, den Widerstand gegen die Gegenreformation angeführt.
Als Jurist wußte Kilian Schauer, was allein gegen die Vertreibung der evangelischen Pfarrer dauerhaft helfen konnte: eine Klage vor dem Reichskammergericht in Speyer, einem der beiden obersten Reichsgerichte. Er reiste im Oktober 1609 dorthin, um einen Anwalt zu dingen, der namens beider Pfarrgemeinden Klage gegen den Würzburger und den Bamberger Bischof erhob. Zweieinhalb Monate blieb Schauer in Speyer, um den Anwalt zu unterstützen, und er hielt dabei die Leute daheim brieflich auf dem Laufenden, ermutigte sie, gab ihnenVerhaltensmaßregeln.

Im November 1609 schuf der Bamberger Bischof vollendete Tatsachen. Er lockte die Familienväter fort und führte, als nur alte Leute, Frauen und Kinder im Ort waren, Pfarrer in Marktgraitz und Marktzeuln ein. Der Gemeinde wurden alle Waffen weggenommen, ferner Urkunden und
Glocken-schwengel – damit nicht Sturm geläutet werden konnte. Der Marktzeulner evangelische Pfarrer, Johann Haselmann, zog übrigens auf ein adliges Lehen in Schwürbitz, wo er noch 1614 nachzuweisen ist. Doch die Gemeinden hatten, angeführt von dem Schwürbitzer Schauer, ebenfalls Erfolg: Im Dezember 1609 wurden die Bischöfe von Bamberg und Würzburg vor das Reichskammergericht geladen. Und nachdem schon etliche Marktzeulner und Marktgraitzer katholisch geworden waren und noch mehr es versprochen hatten, um nicht fortziehen zu müssen, da erließ das Gericht ein Mandat an den Bischof, er solle die Einwohner der beiden Pfarrsprengel bis zu einer Entscheidung unbehelligt in ihren Häusern wohnen lassen. Kilian Schauer war mit einem Mal der bestgehaßte Gegenspieler des Bamberger Fürstbischofs. Zweimal, 1610 und 1611, fielen Beamte, begleitet von zig bewaffneten Bürgern aus Lichtenfels, nachts nach Schwürbitz ein und durchsuchten das Haus von Schauers Stiefvater, –
rechtswidrig, denn es war ein adliges Lehen. Schauer, vorgewarnt, entwischte ihnen. Er starb um die Jahreswende 1613/14 in Weidhausen.

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