Grüsse aus dem heiligen Land nach Schwürbitz

 

Seit ein paar Monaten befindet sich der Schwürbitzer Daniel Thiem im Zuge seines Studiums in Jerusalem. Heute zu Weihnachten schickt er ganz besondere Grüsse, in Form eines interessanten Berichtes aus dem Heiligen Land in seine Heimat.

 

In der Geburtskirche zu Bethlehem: Der Silberstern in der mit Marmor verkleideten Geburtsgrotte. Er trägt die lateinische Inschrift: Hic de Virgine Maria Jesus Christus natus est (Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren). Die fünfzehn Lampen über dem Stern repräsentieren die verschiedenen christlichen Religionsgemeinschaften.

 

" Schalom und ein herzliches Hallo aus Jerusalem ;-)

Liebe Freunde in der Heimat!


Ich darf hier, vom Zion, beste Grüße zum Weihnachtsfest nach Hause senden und hoffe, dass in Franken man sich mittlerweile schon an die winterlichen Temperaturen gewöhnen konnte. Während wir hier im Land uns bei Plusgraden angenehm bewegen, kann ich mir zum Teil schwierig vorstellen, dass sich zeitgleich in Deutschland zur adventlichen Glühweinwärme Schnee und Kälte hinzugesellt haben.


Jerusalem und das Heilige Land sind wirklich unbeschreiblich faszinierend. Die Stadt bietet eine Vielfalt an Kultur und verschiedenen Strömungen. Sowohl auf interreligiöser Ebene mit drei etablierten Religionen (Judentum, Islam und Christentum) als auch im ökumenischen Bereich der christlichen Kirchen (reformatorische, orthodoxe und katholische Kirchen – insgesamt ca. 15-20 verschiedene Traditionen) erfahren wir viel Neuigkeiten.


Ich lebe hier mit einer Gruppe von etwa 24 Deutschen im Gästehaus der hiesigen Benediktiner. Unser Studienprogramm liefert eine riesige Palette an tollen Lehrveranstaltungen (wozu Professoren aus Deutschland für je zwei Wochen eingeflogen werden) und Exkursionen: unsere erste große Tour führte uns für zehn Tage in den Sinai, was als echtes Wüstenerlebnis für jeden von uns unvergessen bleiben wird. Punkte, wie ein Besuch des Katharinenklosters oder die Erklimmung des höchsten Berges von Ägypten, sind einzelne Marker dieser mehr als erfahrungsreichen Reise. Die nächste größere Exkursion führte uns für zehn Tage nach Galiläa an den See Genesareth. Dort standen vor allem Erkundungen bekannter Ausgrabungsstätte auf dem Programm, wodurch so manche Stadt in der Bibel plötzlich ein Gesicht bekommt. In den Höhen des Nordens von Israel (Golan, ...) tat es einem fränkischen Herz gut, wieder mal grüne Flächen zu bewundern, was im Umland von Jerusalem nicht so häufig anzutreffen ist.


Neben diesen großen Exkursionen begeht unser Studienjahr auch regelmäßig in Form von Tagesfahrten kleine Erkundungstouren: beispielsweise Führungen in Jerusalem (Tempelberg, Grabeskirche, archäologischer Park, ...), Bethlehem (Geburtskirche, Bethlehem-Universität ...) und an vielen vielen anderen Orten – sie alle schildern anschaulich noch mal in anderer Weise, was man sonst nur in Lehrveranstaltungen wahrnehmen kann. Vor allem im Bezug auf die politische Lage des Landes und dem Nah-Ost-Konflikt können wir interessante Erfahrungen machen. Letztens führten wir diesbezüglich eine Fahrt an der Grenzmauer von Jerusalem durch, welche die hohe Brisanz und Gespanntheit dieser Situation verdeutlichte. Es ist nicht einfach sich eine fundierte Meinung zu diesem Thema zu bilden. Wenn wir nun an Weihnachten auf dem Weg nach Bethlehem schreitend (direkte Nachbarschaft zu Jerusalem) durch die selten geöffneten Tore dieser Betonmauer ziehen, wird es vermutlicher Weise schon einen bleibenden Eindruck in uns selbst hinterlassen.


Wir erleben hier in unserer Truppe wirklich fast jeden Tag etwas neues. Vor allem der Humor unserer Gemeinschaft ist etwas, was ich als sehr wohltuend empfinde: bei Menschen, die gern feiernd, singend und lustig Geselligkeit betreiben, versuch ich in Begleitung eines weiteren fränkischen Kollegen mit allen Mitteln die fränkische Fröhlichkeit mit einzubeziehen (was nicht zuletzt auch schon mit „Schlenkerla-Rauchbier“ gelungen ist, welches es hier zu erwerben gibt). Unsere Gruppe besteht jeweils zur Hälfte aus evangelischen und katholischen jungen Menschen, was für ein reges und wirklich wohltuendes ökumenisches Miteinander sorgt.
Ich freue mich schon heute auf das nächste Wiedersehen mit vielen Freunden zu Haus, wohin viele Erfahrungen dann in erzählender Weise noch mal mitgebracht werden .

Für heute auf alle Fälle sage ich herzlich Dankeschön für alle lieben Grüße, die mir über meine Mutter, per e-Mail oder auch durch das Denken aneinander gesandt wurden und wünsche nochmals ein geruhsames, gesegnetes Weihnachtsfest sowie einen feierfreudigen Rutsch ins neue Jahr. 
In diesem Sinne liebe Grüße aus Jerusalem, ein länderübergreifendes PROSIT, bis zum nächsten Mal und Lehidrahot!


Euer Daniel
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Text & Foto: Daniel Thiem

 

Lieber Daniel, falls Du uns auf schwuerbitz.net wieder besuchen kommst, sei versichert - ganz Schwürbitz grüsst Dich ganz lieb zurück. Wir wünschen Dir alle weiterhin ganz tolle, geistreiche und menschliche Erfahrungen im Heiligen Land. Wir sind sehr stolz auf Dich.

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